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Berufe, die es einmal gab von Franz Josef Blümling
 
 
 
Weitere Berufe werden im Laufe der Zeit noch beschrieben
 
 
 
 
 
   
   
Die besondere Geschichte des Neefer “Backes”

Das “tägliche Brot” ist seit Jahrtausenden eines der wichtigsten Grundnahrungsmittel der Menschen. Und weil es diese existenzielle Bedeutung hat, ist die Bitte “Unser täglich Brot gib uns heute” in das Vaterunser eingegangen.

Die Backmethode hat sich grundlegend geändert.. Mit Fertigbackmischungen werden heute auf die Schnelle die verschiedensten Großproduktionen hergestellt. Doch wie sah es früher aus? Wie backte man früher das Brot?

Das Backen von Brot war eine öffentliche Angelegenheit. Im Dorf stand ein Backofen, der von der Dorfgemeinschaft nach festgelegten Regeln gemeinsam genutzt wurde. Das Haus, in dem der Backofen stand, wurde landläufig “Backes” genannt.

Bereits im Jahr 1540 überließ das Koblenzer Stift St. Florin, das in Neef begütert war, der Gemeinde einen Platz zum Bau eines Backofens. Dafür standen dem Stift jährlich 3 Sester Wein (1 Sester = 5,25 Liter) zu. Hierbei fällt die niedrige Zinsleistung auf. Und das hatte seinen Grund. Als Leibeigene des Grundherren mussten die Bauern im Besonderen die Weinberge bestellen. Sie hatten das Land gepachtet, und als Pachtzins war im St. Floriner Klosterhof die Hälfte der Ernte abzugeben. Zur Verrichtung für diese harte Arbeit war das tägliche Brot unverzichtbar. Es ist also damit auch erklärt, warum in keinem Güterverzeichnis eines Grundherren von Neef ein Backhaus aufgeführt ist, wo doch ansonsten jeglicher Besitz, selbst wenn er von geringer Bedeutung erscheint, akribisch bis hin zum kleinsten Detail erfasst ist.

Als erster Bäcker hat ein Jude im “Backes” das Handwerk eines Bäckers ausgeübt - zu erkennen daran, dass an der Außenwand des neu erstellten Backhauses in der Nähe der Eingangstür ein Wasserbecken angebracht war. Bevor man das Haus betrat wusch man sich als Symbol der Reinigung und der Ehrlichkeit des Besuches die Hände.

Das vermutlich im 15./16. Jahrhundert entstandene Gewohnheitsrecht dürfte auch für das Neefer Backhaus zutreffend gewesen sein. Die Regelungen besagen, dass dem Bäcker im Backhaus mitzuteilen ist, wann der einzelne Bürger sein Brot backen will. War der Zeitpunkt eingeplant, musste der Bäcker den Teig im Hause des Backenden abholen, und wenn das Brot gebacken war, hatte er es wieder hinzubringen. Für diese Dienstleistung erhielt er einen festgesetzten Lohn - musste dafür allerdings auch noch das Feuerholz holen und in den “Backes” tragen. Ausdrücklich festgelegt ist, dass dem, der das Brot backen ließ, das Recht zustand, das auf dem Tisch zurückgebliebene kostbare Mehl, in dem der Brotteig vor dem Backen geknetet wurde, “mit der Hand abzustreichen und ohne Hinderung des Bäckers mitzunehmen”. Zudem war der Bäcker verpflichtet, zusätzlich Brot in einer festgelegten Menge zur Versorgung von Fremden und Durchreisenden bereitzuhalten. Einen kleinen Teil der gebackenen Brote zweigte er für diesen Zweck ab. Wenn sich der Bäcker nicht an die Regelung hielt, musste er ein Bußgeld an die Gemeinde zahlen.

Von 1743 bis 1750 verwaltete nun vom Backhaus aus Carl Michael Emmerich von Metzenhausen als kurtrierischer Oberforstmeister und Oberjäger die Neefer Forst - im so genannten “Kameralhof” (Carmeralia / Kammerbeamter). Danach wurde Sebastian Rebling Revierförster in diesem Dienste des Kurfürsten. Der “Backes” wurde nunmehr von einem beauftragten Knecht, der in der Leibeigenschaft des Herren stand, in gewohnter Art und Weise betrieben. Es dürfte sich dabei um Anton Dorbach, der am 4. Februar 1778 die Anna Maria Peden geheiratet hatte, gehandelt haben. Als Knecht und Magd sind beide ausdrücklich im Neefer Familienbuch aufgeführt.

Der Kurstaat wurde aufgelöst. Der Neefer Wald kam an das Land Preußen. In einem neu erstellten Forsthaus wurde Peter Kaufmann als preußischer Förster eingesetzt. Das Backhaus kam nunmehr in die Hände eines freien und selbständigen Bäckers, was der vormalige Knecht Anton Dorbach gewesen sein könnte. Die Leibeigenschaft war ja zwischenzeitlich durch Napoleon abgeschafft worden.

Die alte Neefer Bäckertradition wurde in späterer Zeit durch den Bäckermeister Rudolf Blümling (1885 – 1966) fortgesetzt. Sein Sohn Werner (1911 – 2002) übernahm Bäckerei und führte sie bis ins hohe Alter fort. Es gab keinen Nachfolger.

Literaturnachweise: Das Stift St. Florin zu Koblenz, Studien zu Germania Sacra 6, Veröffent-
lichungen des Max-Planck-Institutes für Geschichte, 42/U.1416
Rathaus war zugleich Backstube, Hermann Schäfer, aus: Die Rheinpfalz
Nr. 27m cin 02.02.2010
Forst und Jagd im alten Erzstift Trier, Fritz Michel, S. 173
www.naves-historia.de Inhalt - lfd. Nr. 26
Familienbuch Neef, 1700 – 1798, Jens Kallfelz u. Otto Münster, Nr. 63

Bildnachweise: F. J. Blümling

Das Backhaus, in dem auch zwischenzeitlich ein kurtrierischer Beamter die Neefer Forst verwaltet
 
Der Backofen ist in seinem ursprünglichen Zustand bis heute noch erhalten geblieben.
   
Brunnenbauer / Brunnenputzer

Sie werden in den Annalen von Neef nicht erwähnt. Es muss sie jedoch gegeben haben - wie es sie auch in jedem anderen Dorf gegeben hat. Das Brunnenwasser war unabkömmlich - ja sogar lebenswichtig. Von einer Wasserversorgung wie sie heute üblich ist, war man weit entfernt.
Der recht oft vorkommende Familienname Brunnenbauer beweist, wie üblich dieses Handwerk einmal war. Ab Mitte des 14. Jahrhunderts wurden Familiennamen eingeführt, und man nannte sich unter anderem auch nach seinem Beruf.

Damit die Brunnen immer sauberes Wasser hatten, musste der Brunnenputzer regelmäßig die Sauberkeit des Brunnens nachprüfen und ihn auch putzen. Es konnte z. B. schon einmal vorkommen, dass das Brunnenwasser durch Wanderratten vom Pest-Virus infiziert war. So hatte sich diese verheerende Seuche, die “Geißel des Mittelalters“, von Ort zu Ort weiter verbreitet.

Es gab aber auch Menschen, die aus welchen Gründen auch immer, Brunnen vergifteten. Wurden sie erwischt, drohte ihnen die Todesstrafe.
Bis es die Wasserleitung im Dorf gab, ab dem Jahr 1926, hatten etliche Familien ihren eigenen Brunnen. Zur allgemeinen Benutzung befanden sich aber auch einige Brunnen an öffentlichen Stellen im Ort. Der einzige heute noch erhaltene öffentliche Brunnen steht vor dem alten Feuerwehrhaus und hat ausschließlich historische Bedeutung.

Der Brunnen vor dem alten Feuerwehrhaus
Foto: Iris Dahmen, Neef
 
 
 
 
   
Hausschlachter

Hausschlachtung war früher hauptsächlich ein winterlicher Höhepunkt, weil sich die kältere Jahreszeit dazu am besten eignete. Zumeist wurde das selbstgezogene Schwein geschlachtet - seltener einmal ein Stück Rindvieh. Im Dorf gab es stets mehrere Hausschlachter. Diese schlachteten das Tier zu Hause beim Tierhalter - daher der Name Hausschlachter.

Als erster Hausschlachter tritt Karl Kaspar Kreuter (1851 - 1898) in den Annalen von Neef auf. Er war zudem Winzer und Schnapsbrenner. Außerdem unterhielt er den Gemeindestier.

Bevor das Tier geschlachtet wurde, musste der Fleischbeschauer bestellt werden. Er untersuchte es auf die Gesundheit. War es gesund, konnte der Schlachttermin vereinbart werden.

Nicht so formell ging die Hausschlachterei in den ersten Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg zu, als sehr oft „schwarz geschlachtet“ wurde. Und dies hatte seinen Grund (S. hierzu in dieser Chronik unter - Inhalt - 56. Neefer Stückelcher - Nr. 83 - Die „Schwarzschlachterei nach dem Krieg„). Der Hausschlachter hatte dann das Tier nicht nach seiner Gesundheit untersucht, wozu ihm das Wissen fehlte und er zudem auch die notwendigen Geräte nicht hatte. So wurde folglich nicht festgestellt, ob Trichinen das Fleisch verdorben hatten, was große gesundheitliche Schäden zur Folge haben konnte. Dieses Risiko ging man ein. Andererseits konnte man zur „Schwarzschlachterei“ nie und nimmer den dörflichen Metzgermeister in Anspruch nehmen. Wäre eine solche illegale Schlachterei bei ihm aufgedeckt worden, hätte es ihm auf Anhieb seine Existenz gekostet.

Der Hausschlachter Karl Kaspar Kreuter
Foto aus den Archiv von Kurt Bergen, Neef
 
 
Bild links: Nach der Schlachtung gab es das "Schlachtfest". Es wurde nach Herzenslust probiert und abgeschmeckt. Die ganze Familie war dabei. Holzschnitt des Tübinger Kalenders von 1518
   
Hofmann

Ein namentlich bekannter Hofmann in Neef war 1624 Carl Gitzen. Er war verheiratet mit Anna geb. Ollig.

Der Hofmann wurde auch Villicus genannt, was ausdrückt, dass er als Verwalter eines Gutes ein Leibeigener seines Herren war.

Bei der Verlesung des Weisthums des Propsteihofes St. Florin zu Neef aus dem Jahr 1585 tritt ein Hofmann in seiner Funktion auf. S. auch hierzu weiteres unter der Berufsbezeichnung „Vogt“.

 
 
 
 
 
 
   
Der Köhler mit seinen Kumpanen in den Waldungen des Neefer Hochkessels

Als der Mensch die Möglichkeit erfand, aus Erzen Eisen zu schmelzen, war dies ein bedeutender Meilenstein in der Evolutionsgeschichte des homo sapiens. Die sogenannte Eisenzeit begann etwa 800 vor Christi Geburt.

Und um Eisen zu gewinnen oder es gefügig zu machen, benötigte man zu dem Schmelzvorgang die Holzkohle. Sie erbrachte den erforderlichen Hitzegrad.

Die Holzkohle stellt der Köhler her. Er lebte bei Wind und Wetter irgendwo im tiefsten Wald, fernab der Dorfgemeinschaft und seiner Familie. Hier hatte sich ein Gruppe von Männern, die ihm zu Hilfe standen, Hütten gebaut. Auf einem Lager von Moos und Stroh wurde geschlafen. Vor den Hütten brannte stets ein Feuer, auf dem gekocht wurde und an dem man sich erwärmte. Eine Körperpflege gab es kaum. Und weil der Köhler nichts anderer tat als schwarze Kohle zu brennen, sah er entsprechend aus und wurde “der schwarze Mann” genannt. Als solcher ist er eine Gestalt in Sagen und Märchen. Bei ihm fanden Bandenmitglieder am Tage und in der Nacht Unterschlupf, und es wurden Überfälle ausbaldowert. Dabei trank man billigen Fusel-Schnaps. Es wurde auf die Herrschaften geschimpft, gewürfelt und laut geflucht. Man war ja unter sich und konnte sich gehen lassen. Keiner hörte zu.

Die Grundherren wiesen die Kohlschläge zu und verpachteten sie für einen festen Preis. Der Köhler war nun weitgehend unumschränkter Vorsteher einer Köhlerrotte. Er gab die Anweisungen und erledigte die Lohnzahlungen.

Für die Anschaffung des Holzes war der Holzfäller zuständig. Zur Verkohlung wurden alle vorkommenden Baumarten verwandt. Die Qualität der aus ihnen gewonnenen Holzkohle war jedoch verschieden. Die beste Kohle lieferte die Buche und die Hainbuche – gefolgt von Eiche und Birke.

Der Holzknecht, die rechte Hand des Köhlers, schichtete den Holzstapel, den man Meiler nannte, auf. Sein Standort lag in der Nähe des zu verkohlenden Holzes. Der Transport der leichten Köhle war nämlich einfacher als der des schweren Holzes. So wechselte man öfters die Stelle des Meilers.

Es begann nun die Verkohlung. Bei einer üblichen Größe von ca. 40 Raummeter Holz dauerte die Verkohlungsprozess etwa sechs bis acht Tage – bei zwischen 300 bis 350 Grad Hitze. Der Köhler hatte darauf zu achten, dass durch Regelung des Windzuges der Meiler weder erlosch noch in helle Flammen aufging. Die Witterung spielte beim Verkohlen eine große Rolle. Am günstigsten war eine gleich bleibendes, windstilles Wetter. Starker Wind und Sturm waren die größten Feinde der Köhlerei und konnten zu Waldbränden führen.

Eine besonders große Rolle spielte das Vorhandensein von Wasser, mit dem der Meiler “kalt gemacht” wurde. Nach dem Löschen der fertigen Holzkohle wurde diese in Körbe geschippt und in einer Scheune untergestellt. Sie stand nun dem Eisenbrenner oder dem Waldschmied zu Verfügung. Diese hatten sich zweckmäßigerweise nicht selten in der Nachbarschaft des Köhlers niedergelassen.

Kohle, die man nicht vor Ort verbrauchte, wurde von Fuhrleuten mit Ochsenkarren abtransportiert. Bei Schmieden und Eisenwerken, oder auch bei Händlern fand sie reißenden Absatz.

Zu der Köhlerrotte gesellte sich auch oft der Aschenbrenner. Er verbrannte das zur Kohleherstellung nicht verwendbare Geäst und auch angefaulte Baumstämme. Die Bauern kauften ihm gerne die Asche zur Düngung ihrer Weinberge und Äcker ab. Auch war diese Pottasche ein wichtiger Grundstoff zur Glasherstellung und somit von Glashütten sehr begehrt.

So hatte sich also eine handfeste Männergruppe um den Köhler herum versammelt: Holzhauer, Holzknechte, Eisenbrenner, Waldschmiede, Aschenbrenner und Fuhrleute.

In den landesherrlichen Waldungen, wie auch im kurfürstlichen Neefer Revier auf dem Hochkessel, war Kohle brennen nur mit Genehmigung der Herren von Neef zulässig. An diese war auch die festgesetzte Pacht zu zahlen. Weiter musste ihnen die Menge des zu verkohlenden Holzes gemeldet werden. Unbefugtes Brennen wurde mit hohen Geldstrafen, ja sogar mit körperlicher Züchtigung, bestraft. Streng achtete man darauf, dass der Köhler sein Produkt nicht außerhalb der Herrschaft verkaufte. Diese Einschränkung galt jedoch nicht für die Herrschaften selbst.

Die frühere Köhlerei, einschließlich einer Eisenverarbeitung, lassen sich auf dem Hochkessel deutlich nachweisen. So nennt sich auch ein großer Distrikt auf diesem höchsten Berg des Umfeldes Kügelswald bez. Köhlerwald. Hier findet man auffallend häufig an verschieden zentralen Plätzen Reste von Holzkohlneteilen und auch tiefschwarze Erde. Aufgefundene verschlackte Steine lassen erkennen, dass hier auch einmal Eisen geschmolzen und geschmiedet wurde. Schmelzvorgänge von Eisen verursachen bei mehr als 1000 Grad Hitze solche Verschlackungen. Weitere Beweise hierzu liefern aufgelesene Funde eines grob gegossenen Messers und eines kollidierenden Eisenbarrens. Deutlich ist auch heute noch zu erkennen, dass man zur Beschaffung von Wasser eine Quelle unterhalb der Bergkuppe in einem angelegten Teich auffing. Als weiterer Beweis der früheren Aktivitäten fällt ein ausgeprägtes alte Wegenetz auf. Es ist noch an vielen Stellen zumindest in Teilstrecken deutlich erkennbar. Ohne die Wege und „Karrete“ (schmale und oft steile Waldwege, wodurch nur ein Ochsenfuhrwerk passte) hätten schließlich die „Waldmenschen“ nicht versorgt werden können und wäre auch der Abtransport der Holzkohle, der Pottasche und des geschmiedeten Eisens in Tal nicht möglich gewesen.

Ob die Erzgrube in Neef das zu schmelzende Gestein den Eisenschmieden auf dem Hochkessel geliefert hat, bleibt nur zu vermuten. Das Alter des Stollens ist noch nicht erforscht. Fachleute vermuten, dass es ihn schon lange gibt, zeitweise unbenutzt war und im 18. Jh. versuchsweise wieder aktiviert wurde.

Im Laufe der Zeit waren große Waldflächen im Terrain des Hochkessels kahl geschlagen. So ordnete im Jahre 1582 der Trierer Kurfürst an, dass der Wald neu bepflanzt werden muss, was auch umgehend so erfolgte. Seit her nennt sich diese Flur Junger Wald.

Wegen schlechter Regierung war im 18. Jh. das Deutsche Reich nicht mehr unter Kontrolle. Es blühte das Bandentum. So erging denn auch an die Gemeinde Neef am 14. Dez. 1784 der kurfürstliche Befehl, unbedingt verdächtiges umherschweifendes Gesindel anzuhalten, weil „gerade diese heimatlosen Vagabunden all zu oft den harten Kern einer Räuberbande stellen“. Diese deutliche Anweisung von oberster Stelle aus hatte sicherlich auch, vielleicht sogar in erster Linie, dem Köhler mit seinen Kumpanen in den Waldungen des Hochkessels gegolten – was jedoch vermutlich mit Fassung zur Kenntnis genommen wurde.

Literaturnachweis:
Forstgeschichte, Ein Grundriss für Studium und Praxis, Karl Hassel
Blätter zur Heimatgeschichte von Trippstadt, Sonderheft Köhlerei, Karl Munzinger
Die Köhlerei – ein Handwerk mit ehrwürdigem Alter, Eifeljahrbuch 1983, A. Zebedies, Paul Marx
Die „Verkohlung der Eifelwälder“ im 17. Jh., Landkreis Mayen-Koblenz, Jahrbuch 1996, H.D. Stephani

Kartennachweis:
Kartenaufnahme der Rheinlande durch Tranchot und v. Müffling 1803-1820

Bildernachweis:
Meiler, mit Genehmigung von Karl Munzinger; aus Blätter zur Heimatgeschichte von Trippstadt, Sonderheft Köhlerei
Foto von Franz Josef Blümling

Die Aufrichtung eines Meilers und der Verkohlungsprozess
 
 
Der imposante Hochkessel ist mit seiner Höhe von 421 m einer der höchsten Berge des mittleren Moselgebietes und war mit seinen großen Waldungen ein Hauptbestandteil des kurfürstlichen Waldes in Neef
   
Küfer

Für das Bier waren die hölzernen gebundenen Gefäße als Aufbewahrungsgefäß im frühen Mittelalter bereits dominierend. Mit der Zeit fanden Holzfässer immer mehr Verwendung, insbesonders dann, wenn Wein transportiert wurde. Die Technik der Holzfässerherstellung verbesserte sich mit der Zeit, und man begegnet in der karolingischen Epoche dem in Eisen gebundenen Fass.

Der Beruf des Fassbauers ist ein seltenes Handwerk geworden, welches sich jedoch in den letzten Jahren einer Renaissance erfreut. Gibt es zurzeit lediglich eine Handvoll reiner Holzküfer in Rheinland-Pfalz, so werden es sicherlich schon bald mehr sein. Diese Prognose kann man so wagen. Einmal trägt der groß in Mode gekommene Barrique-Wein dazu bei, der nur in Holzfässern gelagert seine besondere Qualität und Note erhält, zum Anderen hat man aber auch die Erfahrung gewonnen, dass sich der Wein im Holzfass viel besser entwickelt als z. B. in einem Kunststofffass. Im Holzfass sorgt der Sauerstoff, der durch die Poren des Naturstoffes dringen kann, für eine gute Reifung. „Da kommt eine ganz andere Qualität heraus“ – stellt der Fachmann fest.

In seiner langen Tradition wird der Fassbauer je nach Landschaft auch Fassküfer, Büttner, Schäffler und Kübler genannt. An der Mosel ist er der Küfer - entstanden aus dem Lat. Cuparius (cupa ist das Holzfass).

Ausgangsmaterial für die Herstellung von Fässern sind dicke Stämme, die mit dem speziellen Spiegelschnitt zurechtgesägt werden. Dabei ist wichtig, dass die Jahresringe als annähernd parallele Streifen auftauchen – der besondere Zuschnitt sorgt für Stabilität. Die Hölzer werden – je nach Fassgröße – auf eine Länge von rund einem bis 2,80 Meter und 3,5 bis 8 Zentimeter Dicke zurechtgeschnitten. Dann müssen die Dauben lange gelagert und getrocknet werden. Für die Außenwand des Fasses wird das Holz unter großem Druck mit Stahlbändern zusammengepresst; es hält ganz ohne Klebstoff dicht. Die einzelnen Hölzer haben in der Mitte eine andere Dicke als am Rand. Das sorgt für den typischen Fassbauch.

In seine Form wird das Fass durch Flammen und Wasser gebracht: Im Inneren wird ein Feuer entfacht, die Außenseiten gleichzeitig feucht gehalten. Durch diese Behandlung kann das Holz schließlich mit viel handwerklichem Geschick gebogen werden, ohne dass es bricht. Anschließend fügt der Fassbauer die Böden ein und stabilisiert das entstandene Fass mit Stahlreifen.

Lange hatte sich an der Arbeitsweise des Fassbauers so gut wie nichts geändert, wie es die beiden Fotos unter Beweis stellen.

Bis in die fünfziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts war es so, dass der Küfer sowohl das Behältnis Fass gebaut hat und für seine Pflege sowie auch für die Weinpflege zuständig war. Dies hat sich aber, nachdem die Holzfässer nach und nach zuerst durch Beton-, später durch Stahl- und Kunststoff-, heute durch Edelstahlbehälter ersetzt wurden, grundlegend geändert. So sind aus einem zwei Gewerke geworden, nämlich dem Böttcher und dem Weinküfer.

Nach der heutigen Ausbildungsverordnung ist der Weinküfer der Lebensmittelhandwerker, der alle Fertigkeiten besitzt aus ihm anvertrauten Trauben oder auch anderen Früchten Wein herzustellen. Er lernt also nicht mehr Fässer, Bütten oder Stützen und Bottiche herzustellen.

Die Berufe Böttcher und Brauer standen bis zur Industrialisierung eng zusammen und waren sogar in einer Zunft organisiert. Strenge Vorschriften gab es zu beachten. Es galt, die Qualität der Fässer und der späteren Füllung zu gewährleisten. So war es z. B. durch eine Rats-Anordnung von 1410 in Neustadt den Küfern verboten, auf dem Markt Dauben einzukaufen, bevor dieselben einen halben Tag feilgehalten waren, damit sie nicht ihre besondere Sachkunde zum Nachteil des übrigen Publikums ausnutzen konnten. An Orten, wo der Verkauf der Weine einschließlich Fass üblich war, mussten sie vielfach bei Anfertigung der Fässer ganz genaue Anweisungen über Größe, Ausführung usw. einhalten, andernfalls wurden ihnen die Fässer verbrannt; aus gleichen Ursachen war alsdann vorgeschrieben, dass jedes Fass den Namen des Meisters, der es hergestellt hatte, tragen musste. Die badische Landesordnung von Markgraf Christoph, 1495 besagt: „Ferner soll Niemand einigen Wein mit anderleiigem untermischen, sondern jegliche Gattung unvermenget lassen wie er gewachsen. Und damit diese Ordnung desto beständiger sei, sollen alle Küfermeister und Küferknechte den Amtsleuten an Eidesstatt geloben, sorglich darüber zu wachen, dass kein Wein welcher zum Verkaufen oder zum Verzapfen bestimmt ist, mit fremdartigen und schädlichen Dingen vermischt und aufgezogen werde.“ Auch gegen die falsche Benennung des Weines im Fass ging das Gesetz streng vor. Dagegen hatte sich ein Eberlin Snider aus Bulach im Elsass 1353 verstoßen. Er wurde mit Verbannung bestraft unter Androhung der Strafe des Ertränkens bei unerlaubter Rückkehr.

St. Apronianus war der Schutzpatron der Fassküfer. Als Heide trat dieser im frühen Christentum in eine christliche Gemeinschaft ein und wurde getauft.

Als bekennender Christ wurde er verfolgt und enthauptet. Man gedenkt ihm am 2. Februar.

Literaturquellen:
Die letzten Küfer haben gut zu tun, Andrea Löbbecke, Beitrag in der Rhein-Ztg.vom 10.9.08
Vollständiges Heiligen-Lexikon, Band 1. Augsburg 1858, S. 292
Geschichte des Weinbaus, Friedrich von Bassermann-Jordan
Besonders über den neueren Stand gab Herr Hans-Peter Möll, Stv.
Bundesvorsitzender des Fass- und Weinküferhandwerks, wertvolle Informationen

Küferwerkstatt 1698
Aus Weigel: Hauptstände 1698
 
Küferwerkstatt 1948
Aus dem Fotoarchiv von K. Bergen, Neef
 
 
 
 
   
Lohschäler

Zur Herstellung von Leder brauchte man in früherer Zeit Lohe – auch Luhe genannt. Das war die Rinde von jungen Eichen mit der darin enthaltenen Gerbsäure. Bevorzugt im Frühjahr, wenn der Baum im Saft stand, entfernte man die Rinde vom Stamm der etwa 20 Jahre alten Eichen mit einem Lohlöffel. Die kahlen Stangen wurden abgeschlagen und fanden als Brennholz Verwendung. Am Boden entstanden wieder neue Austriebe, die dann später wieder zur Schälung genutzt wurden.

In einigen Gegenden wurden auch die abgeholzten Waldstücke „gebrannt“, um die kleinen Äste zu beseitigen, Unkraut zu vernichten und mineralischen Dünger zu gewinnen. Im Mai pflanzte man dann Kartoffel, im 2. Jahr Wintergetreide (Roggen) und im 3. Jahr Sommergetreide (Hafer, Gerste, Buchweisen) zwischen die schon austreibenden Wurzelstücke. Danach nahm der Aufwuchs der jungen Eichen wieder Platz ein.

Die Flächen zur Lohernte stellte die Gemeinde als sogenanntes Rottland zur Verfügung. Dieses war in einzelne Rottmarken aufgeteilt und wurde den Bürgern zugelost.

Hatte man die Lohe nach Hause gekarrt, trocknete man sie in der Scheune.
Nach der Lagerung wurde sie in Bürden zu etwa 40 Pfund zusammengebunden.

Dann brachte man die Rindenstücke zur Lohmühle und verkaufte sie dem Lohmüller. Dieser häckselte und mahlte sie, um sie danach in kleinen Blöcken an Gerbereien weiter zu verkaufen.

Dorthin hatten Metzger und Viehhalter Felle ihrer geschlachteten Tiere verkauft. Diese wurden dann, nachdem man sie zuvor enthaart hatte, zusammen mit der Loh-Konstanz in eine mit Wasser gefüllte Grube gelegt. Nach ein paar Tagen entstand eine gerbsäurehaltige Brühe. Diese baute die eiweißhaltigen Stoffe der Haut ab. Die Häute wurden getrocknet und konnten dann als Leder verarbeitet werden.

Die übrig gebliebene ausgelaugte Lohe wurde getrockneten und gepresst. Der so entstandene Lohkuchen diente zum Ofenanzünden und auch zur Feuerung. Zudem fand er Verwendung in der medizinischen Behandlung von Hautkrankheiten verwendet.

Nachdem die amerikanischen Tannen einen noch besseren und billigeren Gerbstoff lieferten (seit etwa 1875) und schließlich nach der Entwicklung synthetischer Gerbsäuren (nach 1900), flachte die Bedeutung der heimischen Eichenlohe nach und nach bis hin zur Bedeutungslosigkeit ab. Die letzte Lohe wurde in den Moselhängen 1945/1946 geschält - so auch im Neefer Bachtal.

Noch heute wird der Hang zur Gemarkung "Schopp" zu "Luh-Heck" genannt.

In Köln gab es anno 1746 die stattlich Anzahl von 57 Lohhöfen. Heute erinnern nur noch einige „Lohmühlen“ als Ausflugslokale an ihre frühere Blütezeit.

Als den Gerbereien die chemischen Hilfsmittel als Folge der Nachkriegswirren fehlte, besann man sich der alten Traditionen – allerdings nur für eine kurze Zeit. Die Gerbereien sind auf eine geringe Anzahl von Großbetrieben mit neuesten Verfahrenstechniken zusammengeschrumpft. Und dorthin werden die Felle zumeist von Schlachthäusern aus dem In- und Ausland in Containern angeliefert. 1870 bestanden im Trierer Lande 300 Gerbereien, 1898 waren es 113 und 1903 43 Betriebe. Heute gibt es nur noch 3 Gerbereien in Regierungsbezirk Trier – im Reg.-Bez. Koblenz gibt es keine einzige mehr.

Viele Familiennamen erinnern uns heute an die Zeit, in der die Lohe, deren Verarbeitung und Verwendung, eine solch große Bedeutung hatte. Als man allgemein die Familiennamen einführte, nannte man sich vielfach auch nach seiner Tätigkeit. So gibt es recht häufig die Familiennamen wie Luhe, Luhmann, Luhberg, Luhheck, Luerer, Lohe, Lohmann, Lohmüller, Lohmacher, Löhrer, Gerber und viele andere mehr.

Die Lohe war ein wichtiger wirtschaftlicher Faktor in den Moselgemeinden.
Besonders in armen Zeiten konnte sie finanzielle Engpässe überwinden helfen.

Literaturquelle:
Görgen, Rolf; Ihre Bremmer Knutze ...
Schommers, Reinhold; St. Aldegund an der Mosel Steffens, Willi; Vom Lohschälen in der Eifel

Bildquelle:
Lohschäler: aus dem Archiv von Reinhold Schommers, St. Aldegund
Lohlöffel: Foto von F.J. Blümling (Autor)

Lohlöffel
 
Lohschäler bei der Arbeit
 
 
 
 
   
Metzgerei Steinebach

Jakob Steinebach (geb. 1906 – gest. 1993) begann 1923 mit gerade 17 Jahren seine Lehre im Fleischerhandwerk bei seinem Onkel in Koblenz. Nach erfolgreicher Abschlussprüfung war er dort mehrere Jahre als Geselle tätig. Mit 38 Jahren machte er vor der Handwerkskammer Koblenz seinen Meisterbrief im Fleischerhandwerk.

1933 machte er sich mit seiner Frau Anita (geb. 1910 gest. 1997) in Gillenfeld (Eifel) selbständig. Doch bereits schon ein Jahr später verließen sie Gillenfeld und bauten sich in Cochem-Cond eine neue Existenz auf. Als
1936 der Neefer Metzger Wilhelm Schmitz verstarb, pachtete Jakob Steinebach ein Jahr später den Neefer Metzgereibetrieb des Verstorbenen.

Jakob kam nun als Soldat in den Krieg und wurde 1946 aus der Gefangenschaft entlassen. Zwischenzeitlich hatte sich jedoch der Sohn von Wilhelm Schmitz, Peter Wilhelm, in den elterlichen Räumen als Metzger niedergelassen. So erwarb Jakob Steinebach umgehend im Neefer Unterdorf ein Haus und betrieb dort in eigenen Räumen eine Metzgerei. Im gleichen Jahr begann auch Sohn Karl Heinz (geb. 1930) im elterlichen Betrieb seine Metzger-Lehre.

Nach seiner Lehrzeit ging Karl Heinz nach Frankfurt, wo er in mehreren renommierten Betrieben der Fleischerbranche tätig war. Hervorzuheben sind dabei das hoch angesehene Hotel „Frankfurter Hof“, wo er sich als Küchenmetzger bewährte und das Feinkostfachgeschäft Hermann Kirchenbauer auf der Frankfurter Einkaufsmeile ersten Ranges, der Zeil, wo er für die Herstellung von Spezialitäten zuständig war. In Frankfurt besuchte Steinebach jr. die Meisterschule Hyne und legte dann im Jahre 1955 die Meisterprüfung ab. Auf Wunsch seiner Eltern kehrte er 1958 wieder nach Neef zurück und half im elterlichen Betrieb. 1962 machte Karl Heinz Steinebach sich schließlich selbständig. Er übernahm die Metzgerei Gröff in Zell-Merl. Sechs Jahre später, 1968, übergaben ihm die Eltern das Geschäft in Neef, das er zusätzlich als Filiale bestehen ließ.

Die praktischen Erfahrungen, die der junge Steinebach in Frankfurt gemacht hat, kamen ihm in seiner Selbständigkeit sehr zu gute. Besonders seine guten und schmackhaften Wurstsorten waren sehr gefragt. Wöchentlich wurden bis zu 30 Schweine und 5 Stück Großvieh geschlachtet. Karl Heinz kaufte das Vieh direkt bei den Bauern in der Eifel und im Hunsrück. Fleischwaren wurden nicht nur im eigenen Laden verkauft. Es wurden zudem Lebensmittelgeschäfte, Hotels und Gastwirtschaften im ganzen Umfeld beliefert.

Karl Heinz Steinebach kann mit Stolz auf eine erfolgreiche Berufstätigkeit zurückblicken. Er hatte sich nach und nach zielstrebig hochgearbeitet. Die Handwerkskammer Koblenz ehrte ihn im Jahr 2005 mit dem „Goldenen Meisterbrief“.

Karl Heinz Steinebach gab seine Metzgerei in Zell-Merl aus gesundheitlichen Gründen im Jahre 1988 auf. Gleichzeitig wurde auch der Filialbetrieb in Neef eingestellt.

Zusammengestellt nach Angaben von Karl-Heinz Steinebach, Zell

"Schmitze Willi" (links auf dem Bild) mit einem schlachtreifen Ochsen vor seinem Schlachthaus Foto aus dem Archiv von Kurt Bergen, Neef
 
 
Karl Heinz Steinebach wird mit dem „Goldenen Meisterbrief“ geehrt Foto von K.H. Steinebach
   
Polsterer- und Sattler-Meister Clemens Rohrbach

In der früheren Zeit gab es sie nicht, die so genannte Weg-Werf-Gesellschaft – noch nicht den Begriff „ex und hopp“ (kaufen – benutzen – wegwerfen). War in damaliger Zeit ein wichtiger Gegendstand des Alltages kaputt oder beschädigt, dann wurde er durch geschickte Handwerkerhände repariert. Neue Sachen wurden handwerklich hergestellt. Und das dauerte seine Zeit. Heute lohnt sich eine solche zeitaufwendige manuelle Anfertigung nicht mehr. Es gibt die Fabriken, die über Fließband Gegenstände in zigfacher Anzahl stündlich förmlich ausspucken – sogar versandfähig verpackt. Kein Handwerker kann dann mit einem solchen Herstellungspreis konkurrieren. Es ist auch billiger, einen defekten Gegenstand einfach weg zu werfen, als ihn reparieren zu lassen. Die Reparaturkosten wären wesentlich höher, als der Preis für eine Neuanschaffung.

Aber auch die Gebrauchsgegenstände des täglichen Lebens als solche haben sich geändert. So wird z. B. das Joch für ein Kuh- oder für ein Ochsengespann zumindest in unserer Region nicht mehr benötigt. Früher zogen Kuh und Ochse den Wagen auf das Feld oder in den Weinberg - heute transportieren die Traktore.

Das Handwerk des Polsterers und Sattlers hatte nach dem Zweiten Weltkrieg eine besonders große Wichtigkeit. Viele erforderliche Materialien gab es während der Kriegsjahre nicht mehr. Es konnte also kaum noch hergestellt, erneuert oder repariert werden. Und ansonsten waren ja auch die Männer zumeist im Kriegseinsatz und danach in der Gefangenschaft. Es gab also einen großen Nachholbedarf. Das Sattler- und Polsterhandwerk hatte besonders in jener Zeit eine weittragende Bedeutung und hatte besonders im wirtschaftlichen und sozialpolitischem Bereicht ein hohes Gewicht - so stellte der Präsident des Zentralinnungsverbandes des Deutschen Sattler- und Polstererinnungsverbandes Julius Debus anlässlich der 50jährigen Jubiläumsfeier auf dem Landesverbandstag in Neustadt a. d. Weinstraße im August 1960 fest.

In Neef gab es den Polsterer- und Sattlermeister Clemens Rohrbach (1904 – 1967). Er kam aus dem Nachbarort Senheim. 1936 heiratete er das Neefer Mädchen Paula Budinger. Seine Lehre vollzog er in Merzig (Saarland) bei der Firma Bettenfeld. Die Meisterprüfung legte er 1939 vor der Handwerkskammer Koblenz ab und machte sich dann in Neef selbständig. Aber schon bald wurde er an die Front eingezogen. Als er Ende 1946 aus der polnischen Gefangenschaft nach Hause kam, gab es für ihn viel zu tun. In der Werkstatt in seinem Haus „im Neugarten“ erledigte Clemens gewissenhaft seine Arbeiten. Aus dem ganzen Dorf und aus den Nachbargemeinden erhielt er Aufträge. Seine Reparaturen waren gekonnt. Ob lädierte Sessel, kaputte Sofas, defektes Sattelzeug, zerrissene Gurte, oder beschädigte Joche - Clemens brachte alles wieder in Ordnung. Sein handwerkliches Können bestand auch in der Herstellung der damals üblichen dreiteiligen Matratzen aus Rosshaar, Kapok und später aus Federkern.

Die freundliche und bescheidene Art von Clemens Rohrbach passte zu seiner gemütlichen Werkstatt. Es roch nach Leder und Klebemitteln, nach Rosshaar und Stoffen. Auf dem Kohleofen brodelte der Wasserkessel. In der Dämmerung war die verstellbare Deckenlampe auf Augenhöhe heruntergezogen. Clemens klebte, fädelte, nähte, hämmerte, nietete und trug dabei stets seine selbstgenähte Leinenschürze.

Überliefert von Helga Mentges, geborene Rohrbach, Bullay
Und eigene Erinnerungen des Chronisten

Clemens Rohrbach
 
Briefkopf des Handwerkers Clemens Rohrbach
   
Schröter

Stand bei einem Winzer der Verkauf eines Fuder Weines an, dann wurde das volle Fass aus dem Keller auf ein draußen stehendes Fuhrwerk transportiert. Es gab noch keine Weinpumpe, mit der man ein Fass im Keller leer- und ein solches draußen hätte voll pumpen können.

Um nun ein Fuderfass aus dem Keller zu schaffen, wurden sechs bis acht Männer benötigt, die Schröter genannt wurden. Diese schlossen sich in einer sogenannten Schröterzunft zusammen. In jedem Dorf waren es immer dieselben Männer, welche die Knochenarbeit besorgten und dafür ein kleines Entgelt bekamen. Ebenso gab es nach vollbrachter Arbeit einige Liter „Schröterwein“, der meistens an Ort und Stelle getrunken wurde.

Die erste Arbeit der Schröter war, das Fass von den Lagern in den Kellereingang zu hieven. Da es in den meisten Kellern sehr eng war, bedeutete auch dieses eine mühselige Arbeit. Zuvor waren zu den Eisenreifen des Fasses noch Reifen aus Birkenholz aufgezogen worden, damit das Fass für den Transport besser geschützt war. Nun wurden die Holme der Schratleiter eingefettet, die dann auf die Kellertreppe gelegt und mit Eisenstäben befestigt wurde.

Nach lautem Kommandoruf wurde nun das Fass mit Hilfe von Drahtseilen, die um das Fass gelegt waren und einer primitiven Winde, sowie durch die Kraftanstrengung der Männer über die schmierige und glitschige Leiter die Kellertreppe hinaufgezogen. Höchste Vorsicht war geboten, da auch die Treppen meist steil und schmal waren. Wäre das Fass abgerutscht, hätten die Männer, die dahinter standen, erdrückt werden können. So legten die Männer ab und zu eine Pause ein und sicherten das Fass durch das Unterlegen eines Holzscheites vor dem Hinabrollen ab.

Nachdem die Schröter das Fass aus dem Keller transportiert hatten, war die schwerste Arbeit getan. Die anschließende Beförderung des Fasses auf einen bereitstehenden Wagen war die leichtere Arbeit, weil draußen mehr Platz war und die Schratleiter nun weniger Steigung hatte.

 
   
Vogt

Während des gesamten Mittelalters gehörte aller landwirtschaftlicher Besitz dem Adel, Kirchen und Klöstern. Die Neefer Bauern waren Leibeigene. Die Grundherren konnten also über Leib und Leben ihrer Untertanen verfügen. Diese hatten das Land als Lehen – also geliehen. Als Pachtzins hatten die Lehensleute den Lehensherren die Hälfte der Ernte abzugeben, die im Hofgebäude lagerten.

Die Verwaltung der Lehensgüter oblag dem Vogt, der seinerseits einen untergeordneten Hofmann einsetzte.

Mindestens einmal im Jahr, zumeist vor der anstehenden Weinernte, schickte der Lehensherr einen Bevollmächtigten nach Neef, um das sogenannte Hofgeding abzuhalten. Vor dem Platz des Hofes wurden dann in einem Weisthum den Bürgern die vom Lehensherren festgelegten Bestimmungen verlesen. Diese nannte man Levatio. Den Bürgern wurden also die Leviten gelesen.

Auszug aus dem Weisthum des Propsteihofes St. Florin zu Neef aus dem Jahr 1585:

- Ein jeder Lehensmann hat zum Hofgeding zu erscheinen. Es ist unnötig, den Lehensmann dazu aufzurufen, da jeder weiß, wann es stattfindet. Der Lehensmann erhält einen halben Sester ( 7 ½ ) Liter Wein.

- Der Lehensherr, der Propst gar selbst, mag kommen mit 3 ½ Pferden und beim Lehensmann, wo ihm gelüstet, einkehren und dort Futter für die Pferde erhalten. Die Kost gibt sich der Lehensherr selbst. Ist dem Lehensherrn die Schlafstätte zu eng, hat der Lehensmann sein Bett abzubrechen und dem Lehensherren Platz zu schaffen.

- Für Weggehen ohne Erlaubnis und alle sonstige Ungebühr, wie schmähen, fluchen, lästern und alles dergleichen soll der Verbrecher leiden.

- Ein Weinbote gibt die Erlaubnis zur Lese.

- Bei der Vorlese soll der Lehensmann für einen Schilling Weck und einen Käs, der eine Spanne weit ist und Wein bringen, so dass der Vogt mit dem Hofmann und dem Lehensmann zusammen genießen können.

- Ist der Weinberg zum Teil gemistet, hat der Lehensmann den ungemisteten Teil am Hofe abzugeben. Es darf nur alle 6 Jahre gemistet werden.

- Rinnt die Bütte, in der sich die gelesenen Trauben befinden, macht sich der Lehensmann strafbar.

Zum Schluss sprach der Vogt die Strafen für die Verbrecher aus und vollzog sie oft gleich an Ort und Stelle. Vor dem Hofgebäude stand der Pranger, den man auch Schandpfahl nannte. An diesen wurde der Verbrecher angekettet und der öffentlichen Beschimpfung preisgegeben. Hatte der Bestrafte jedoch z. B. die Obrigkeit beleidigt, konnte es passieren, dass Bürger den Delinquenten mit Wein oder sonstigen Wohltaten verwöhnten.

Der Vogt war also ein Beamter einer geistlichen Herrschaft. Er konnte im Rahmen eines Niederen Gerichtes Urteile aussprechen und strafen lassen. Junker Dietrich von Kellenbach erscheint 1529 als erster Klostervogt in Neef, als ein Teil der Güter der Abtei St. Willibrordus, Echternach, durch Verpfändung an das Stift St. Florin in Koblenz kam. S. hierzu auch unter 22. d. - „Der Echternacher Hof in Neef“ und unter 31. a. und 31. b. in der Chronik.

 
 
 
 
 
   
 
 
   
 
 
   
 
 
   
   
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