| Berufe, die es einmal
gab |
von Franz
Josef Blümling |
|
|
| |
| |
| Weitere Berufe
werden im Laufe der Zeit noch
beschrieben |
| |
| |
| |
| |
| |
|
| |
|
| |
|
Die besondere Geschichte
des Neefer BackesDas
tägliche Brot ist seit
Jahrtausenden eines der wichtigsten
Grundnahrungsmittel der Menschen. Und
weil es diese existenzielle Bedeutung
hat, ist die Bitte Unser täglich
Brot gib uns heute in das
Vaterunser eingegangen.
Die Backmethode hat sich grundlegend
geändert.. Mit Fertigbackmischungen
werden heute auf die Schnelle die
verschiedensten Großproduktionen
hergestellt. Doch wie sah es früher aus?
Wie backte man früher das Brot?
Das Backen von Brot war eine
öffentliche Angelegenheit. Im Dorf stand
ein Backofen, der von der
Dorfgemeinschaft nach festgelegten Regeln
gemeinsam genutzt wurde. Das Haus, in dem
der Backofen stand, wurde landläufig
Backes genannt.
Bereits im Jahr 1540 überließ das
Koblenzer Stift St. Florin, das in Neef
begütert war, der Gemeinde einen Platz
zum Bau eines Backofens. Dafür standen
dem Stift jährlich 3 Sester Wein (1
Sester = 5,25 Liter) zu. Hierbei fällt
die niedrige Zinsleistung auf. Und das
hatte seinen Grund. Als Leibeigene des
Grundherren mussten die Bauern im
Besonderen die Weinberge bestellen. Sie
hatten das Land gepachtet, und als
Pachtzins war im St. Floriner Klosterhof
die Hälfte der Ernte abzugeben. Zur
Verrichtung für diese harte Arbeit war
das tägliche Brot unverzichtbar. Es ist
also damit auch erklärt, warum in keinem
Güterverzeichnis eines Grundherren von
Neef ein Backhaus aufgeführt ist, wo
doch ansonsten jeglicher Besitz, selbst
wenn er von geringer Bedeutung erscheint,
akribisch bis hin zum kleinsten Detail
erfasst ist.
Als erster Bäcker hat ein Jude im
Backes das Handwerk eines
Bäckers ausgeübt - zu erkennen daran,
dass an der Außenwand des neu erstellten
Backhauses in der Nähe der Eingangstür
ein Wasserbecken angebracht war. Bevor
man das Haus betrat wusch man sich als
Symbol der Reinigung und der Ehrlichkeit
des Besuches die Hände.
Das vermutlich im 15./16. Jahrhundert
entstandene Gewohnheitsrecht dürfte auch
für das Neefer Backhaus zutreffend
gewesen sein. Die Regelungen besagen,
dass dem Bäcker im Backhaus mitzuteilen
ist, wann der einzelne Bürger sein Brot
backen will. War der Zeitpunkt
eingeplant, musste der Bäcker den Teig
im Hause des Backenden abholen, und wenn
das Brot gebacken war, hatte er es wieder
hinzubringen. Für diese Dienstleistung
erhielt er einen festgesetzten Lohn -
musste dafür allerdings auch noch das
Feuerholz holen und in den
Backes tragen. Ausdrücklich
festgelegt ist, dass dem, der das Brot
backen ließ, das Recht zustand, das auf
dem Tisch zurückgebliebene kostbare
Mehl, in dem der Brotteig vor dem Backen
geknetet wurde, mit der Hand
abzustreichen und ohne Hinderung des
Bäckers mitzunehmen. Zudem war der
Bäcker verpflichtet, zusätzlich Brot in
einer festgelegten Menge zur Versorgung
von Fremden und Durchreisenden
bereitzuhalten. Einen kleinen Teil der
gebackenen Brote zweigte er für diesen
Zweck ab. Wenn sich der Bäcker nicht an
die Regelung hielt, musste er ein
Bußgeld an die Gemeinde zahlen.
Von 1743 bis 1750 verwaltete nun vom
Backhaus aus Carl Michael Emmerich von
Metzenhausen als kurtrierischer
Oberforstmeister und Oberjäger die
Neefer Forst - im so genannten
Kameralhof (Carmeralia /
Kammerbeamter). Danach wurde Sebastian
Rebling Revierförster in diesem Dienste
des Kurfürsten. Der Backes
wurde nunmehr von einem beauftragten
Knecht, der in der Leibeigenschaft des
Herren stand, in gewohnter Art und Weise
betrieben. Es dürfte sich dabei um Anton
Dorbach, der am 4. Februar 1778 die Anna
Maria Peden geheiratet hatte, gehandelt
haben. Als Knecht und Magd sind beide
ausdrücklich im Neefer Familienbuch
aufgeführt.
Der Kurstaat wurde aufgelöst. Der
Neefer Wald kam an das Land Preußen. In
einem neu erstellten Forsthaus wurde
Peter Kaufmann als preußischer Förster
eingesetzt. Das Backhaus kam nunmehr in
die Hände eines freien und
selbständigen Bäckers, was der
vormalige Knecht Anton Dorbach gewesen
sein könnte. Die Leibeigenschaft war ja
zwischenzeitlich durch Napoleon
abgeschafft worden.
Die alte Neefer Bäckertradition wurde
in späterer Zeit durch den
Bäckermeister Rudolf Blümling (1885
1966) fortgesetzt. Sein Sohn
Werner (1911 2002) übernahm
Bäckerei und führte sie bis ins hohe
Alter fort. Es gab keinen Nachfolger.
Literaturnachweise: Das Stift
St. Florin zu Koblenz, Studien zu
Germania Sacra 6, Veröffent-
lichungen des Max-Planck-Institutes für
Geschichte, 42/U.1416
Rathaus war zugleich Backstube, Hermann
Schäfer, aus: Die Rheinpfalz
Nr. 27m cin 02.02.2010
Forst und Jagd im alten Erzstift Trier,
Fritz Michel, S. 173
www.naves-historia.de Inhalt - lfd. Nr.
26
Familienbuch Neef, 1700 1798, Jens
Kallfelz u. Otto Münster, Nr. 63
Bildnachweise: F. J. Blümling
|
 |
| Das Backhaus, in
dem auch zwischenzeitlich ein
kurtrierischer Beamter die Neefer
Forst verwaltet |
| |
 |
| Der Backofen ist
in seinem ursprünglichen Zustand
bis heute noch erhalten
geblieben. |
|
| |
|
Brunnenbauer /
BrunnenputzerSie werden in den Annalen
von Neef nicht erwähnt. Es muss sie
jedoch gegeben haben - wie es sie auch in
jedem anderen Dorf gegeben hat. Das
Brunnenwasser war unabkömmlich - ja
sogar lebenswichtig. Von einer
Wasserversorgung wie sie heute üblich
ist, war man weit entfernt.
Der recht oft vorkommende Familienname
Brunnenbauer beweist, wie üblich dieses
Handwerk einmal war. Ab Mitte des 14.
Jahrhunderts wurden Familiennamen
eingeführt, und man nannte sich unter
anderem auch nach seinem Beruf.
Damit die Brunnen immer sauberes
Wasser hatten, musste der Brunnenputzer
regelmäßig die Sauberkeit des Brunnens
nachprüfen und ihn auch putzen. Es
konnte z. B. schon einmal vorkommen, dass
das Brunnenwasser durch Wanderratten vom
Pest-Virus infiziert war. So hatte sich
diese verheerende Seuche, die
Geißel des Mittelalters, von
Ort zu Ort weiter verbreitet.
Es gab aber auch Menschen, die aus
welchen Gründen auch immer, Brunnen
vergifteten. Wurden sie erwischt, drohte
ihnen die Todesstrafe.
Bis es die Wasserleitung im Dorf gab, ab
dem Jahr 1926, hatten etliche Familien
ihren eigenen Brunnen. Zur allgemeinen
Benutzung befanden sich aber auch einige
Brunnen an öffentlichen Stellen im Ort.
Der einzige heute noch erhaltene
öffentliche Brunnen steht vor dem alten
Feuerwehrhaus und hat ausschließlich
historische Bedeutung.
|
 |
Der Brunnen vor
dem alten Feuerwehrhaus
Foto: Iris Dahmen, Neef |
| |
| |
| |
| |
|
| |
|
Hausschlachter
Hausschlachtung war früher
hauptsächlich ein winterlicher
Höhepunkt, weil sich die kältere
Jahreszeit dazu am besten eignete.
Zumeist wurde das selbstgezogene Schwein
geschlachtet - seltener einmal ein Stück
Rindvieh. Im Dorf gab es stets mehrere
Hausschlachter. Diese schlachteten das
Tier zu Hause beim Tierhalter - daher der
Name Hausschlachter.
Als erster Hausschlachter tritt Karl
Kaspar Kreuter (1851 - 1898) in den
Annalen von Neef auf. Er war zudem Winzer
und Schnapsbrenner. Außerdem unterhielt
er den Gemeindestier.
Bevor das Tier geschlachtet wurde,
musste der Fleischbeschauer bestellt
werden. Er untersuchte es auf die
Gesundheit. War es gesund, konnte der
Schlachttermin vereinbart werden.
Nicht so formell ging die
Hausschlachterei in den ersten Jahren
nach dem Zweiten Weltkrieg zu, als sehr
oft schwarz geschlachtet
wurde. Und dies hatte seinen Grund (S.
hierzu in dieser Chronik unter - Inhalt -
56. Neefer Stückelcher - Nr. 83 - Die
Schwarzschlachterei nach dem
Krieg). Der Hausschlachter hatte
dann das Tier nicht nach seiner
Gesundheit untersucht, wozu ihm das
Wissen fehlte und er zudem auch die
notwendigen Geräte nicht hatte. So wurde
folglich nicht festgestellt, ob Trichinen
das Fleisch verdorben hatten, was große
gesundheitliche Schäden zur Folge haben
konnte. Dieses Risiko ging man ein.
Andererseits konnte man zur
Schwarzschlachterei nie und
nimmer den dörflichen Metzgermeister in
Anspruch nehmen. Wäre eine solche
illegale Schlachterei bei ihm aufgedeckt
worden, hätte es ihm auf Anhieb seine
Existenz gekostet.
|
 |
Der
Hausschlachter Karl Kaspar
Kreuter
Foto aus den Archiv von Kurt
Bergen, Neef |
| |
| |
| Bild links: Nach
der Schlachtung gab es das
"Schlachtfest". Es
wurde nach Herzenslust probiert
und abgeschmeckt. Die ganze
Familie war dabei. Holzschnitt
des Tübinger Kalenders von 1518 |
|
| |
|
HofmannEin
namentlich bekannter Hofmann in Neef war
1624 Carl Gitzen. Er war verheiratet mit
Anna geb. Ollig.
Der Hofmann wurde auch Villicus
genannt, was ausdrückt, dass er als
Verwalter eines Gutes ein Leibeigener
seines Herren war.
Bei der Verlesung des Weisthums des
Propsteihofes St. Florin zu Neef aus dem
Jahr 1585 tritt ein Hofmann in seiner
Funktion auf. S. auch hierzu weiteres
unter der Berufsbezeichnung
Vogt.
|
|
| |
|
Der Köhler mit seinen
Kumpanen in den Waldungen des Neefer
HochkesselsAls der Mensch die
Möglichkeit erfand, aus Erzen Eisen zu
schmelzen, war dies ein bedeutender
Meilenstein in der Evolutionsgeschichte
des homo sapiens. Die sogenannte
Eisenzeit begann etwa 800 vor Christi
Geburt.
Und um Eisen zu gewinnen oder es
gefügig zu machen, benötigte man zu dem
Schmelzvorgang die Holzkohle. Sie
erbrachte den erforderlichen Hitzegrad.
Die Holzkohle stellt der Köhler her.
Er lebte bei Wind und Wetter irgendwo im
tiefsten Wald, fernab der
Dorfgemeinschaft und seiner Familie. Hier
hatte sich ein Gruppe von Männern, die
ihm zu Hilfe standen, Hütten gebaut. Auf
einem Lager von Moos und Stroh wurde
geschlafen. Vor den Hütten brannte stets
ein Feuer, auf dem gekocht wurde und an
dem man sich erwärmte. Eine
Körperpflege gab es kaum. Und weil der
Köhler nichts anderer tat als schwarze
Kohle zu brennen, sah er entsprechend aus
und wurde der schwarze Mann
genannt. Als solcher ist er eine Gestalt
in Sagen und Märchen. Bei ihm fanden
Bandenmitglieder am Tage und in der Nacht
Unterschlupf, und es wurden Überfälle
ausbaldowert. Dabei trank man billigen
Fusel-Schnaps. Es wurde auf die
Herrschaften geschimpft, gewürfelt und
laut geflucht. Man war ja unter sich und
konnte sich gehen lassen. Keiner hörte
zu.
Die Grundherren wiesen die
Kohlschläge zu und verpachteten sie für
einen festen Preis. Der Köhler war nun
weitgehend unumschränkter Vorsteher
einer Köhlerrotte. Er gab die
Anweisungen und erledigte die
Lohnzahlungen.
Für die Anschaffung des Holzes war
der Holzfäller zuständig. Zur
Verkohlung wurden alle vorkommenden
Baumarten verwandt. Die Qualität der aus
ihnen gewonnenen Holzkohle war jedoch
verschieden. Die beste Kohle lieferte die
Buche und die Hainbuche gefolgt
von Eiche und Birke.
Der Holzknecht, die rechte Hand des
Köhlers, schichtete den Holzstapel, den
man Meiler nannte, auf. Sein Standort lag
in der Nähe des zu verkohlenden Holzes.
Der Transport der leichten Köhle war
nämlich einfacher als der des schweren
Holzes. So wechselte man öfters die
Stelle des Meilers.
Es begann nun die Verkohlung. Bei
einer üblichen Größe von ca. 40
Raummeter Holz dauerte die
Verkohlungsprozess etwa sechs bis acht
Tage bei zwischen 300 bis 350 Grad
Hitze. Der Köhler hatte darauf zu
achten, dass durch Regelung des Windzuges
der Meiler weder erlosch noch in helle
Flammen aufging. Die Witterung spielte
beim Verkohlen eine große Rolle. Am
günstigsten war eine gleich bleibendes,
windstilles Wetter. Starker Wind und
Sturm waren die größten Feinde der
Köhlerei und konnten zu Waldbränden
führen.
Eine besonders große Rolle spielte
das Vorhandensein von Wasser, mit dem der
Meiler kalt gemacht wurde.
Nach dem Löschen der fertigen Holzkohle
wurde diese in Körbe geschippt und in
einer Scheune untergestellt. Sie stand
nun dem Eisenbrenner oder dem Waldschmied
zu Verfügung. Diese hatten sich
zweckmäßigerweise nicht selten in der
Nachbarschaft des Köhlers
niedergelassen.
Kohle, die man nicht vor Ort
verbrauchte, wurde von Fuhrleuten mit
Ochsenkarren abtransportiert. Bei
Schmieden und Eisenwerken, oder auch bei
Händlern fand sie reißenden Absatz.
Zu der Köhlerrotte gesellte sich auch
oft der Aschenbrenner. Er verbrannte das
zur Kohleherstellung nicht verwendbare
Geäst und auch angefaulte Baumstämme.
Die Bauern kauften ihm gerne die Asche
zur Düngung ihrer Weinberge und Äcker
ab. Auch war diese Pottasche ein
wichtiger Grundstoff zur Glasherstellung
und somit von Glashütten sehr begehrt.
So hatte sich also eine handfeste
Männergruppe um den Köhler herum
versammelt: Holzhauer, Holzknechte,
Eisenbrenner, Waldschmiede, Aschenbrenner
und Fuhrleute.
In den landesherrlichen Waldungen, wie
auch im kurfürstlichen Neefer Revier auf
dem Hochkessel, war Kohle brennen nur mit
Genehmigung der Herren von Neef
zulässig. An diese war auch die
festgesetzte Pacht zu zahlen. Weiter
musste ihnen die Menge des zu
verkohlenden Holzes gemeldet werden.
Unbefugtes Brennen wurde mit hohen
Geldstrafen, ja sogar mit körperlicher
Züchtigung, bestraft. Streng achtete man
darauf, dass der Köhler sein Produkt
nicht außerhalb der Herrschaft
verkaufte. Diese Einschränkung galt
jedoch nicht für die Herrschaften
selbst.
Die frühere Köhlerei,
einschließlich einer Eisenverarbeitung,
lassen sich auf dem Hochkessel deutlich
nachweisen. So nennt sich auch ein
großer Distrikt auf diesem höchsten
Berg des Umfeldes Kügelswald bez.
Köhlerwald. Hier findet man auffallend
häufig an verschieden zentralen Plätzen
Reste von Holzkohlneteilen und auch
tiefschwarze Erde. Aufgefundene
verschlackte Steine lassen erkennen, dass
hier auch einmal Eisen geschmolzen und
geschmiedet wurde. Schmelzvorgänge von
Eisen verursachen bei mehr als 1000 Grad
Hitze solche Verschlackungen. Weitere
Beweise hierzu liefern aufgelesene Funde
eines grob gegossenen Messers und eines
kollidierenden Eisenbarrens. Deutlich ist
auch heute noch zu erkennen, dass man zur
Beschaffung von Wasser eine Quelle
unterhalb der Bergkuppe in einem
angelegten Teich auffing. Als weiterer
Beweis der früheren Aktivitäten fällt
ein ausgeprägtes alte Wegenetz auf. Es
ist noch an vielen Stellen zumindest in
Teilstrecken deutlich erkennbar. Ohne die
Wege und Karrete (schmale und
oft steile Waldwege, wodurch nur ein
Ochsenfuhrwerk passte) hätten
schließlich die Waldmenschen
nicht versorgt werden können und wäre
auch der Abtransport der Holzkohle, der
Pottasche und des geschmiedeten Eisens in
Tal nicht möglich gewesen.
Ob die Erzgrube in Neef das zu
schmelzende Gestein den Eisenschmieden
auf dem Hochkessel geliefert hat, bleibt
nur zu vermuten. Das Alter des Stollens
ist noch nicht erforscht. Fachleute
vermuten, dass es ihn schon lange gibt,
zeitweise unbenutzt war und im 18. Jh.
versuchsweise wieder aktiviert wurde.
Im Laufe der Zeit waren große
Waldflächen im Terrain des Hochkessels
kahl geschlagen. So ordnete im Jahre 1582
der Trierer Kurfürst an, dass der Wald
neu bepflanzt werden muss, was auch
umgehend so erfolgte. Seit her nennt sich
diese Flur Junger Wald.
Wegen schlechter Regierung war im 18.
Jh. das Deutsche Reich nicht mehr unter
Kontrolle. Es blühte das Bandentum. So
erging denn auch an die Gemeinde Neef am
14. Dez. 1784 der kurfürstliche Befehl,
unbedingt verdächtiges umherschweifendes
Gesindel anzuhalten, weil gerade
diese heimatlosen Vagabunden all zu oft
den harten Kern einer Räuberbande
stellen. Diese deutliche Anweisung
von oberster Stelle aus hatte sicherlich
auch, vielleicht sogar in erster Linie,
dem Köhler mit seinen Kumpanen in den
Waldungen des Hochkessels gegolten
was jedoch vermutlich mit Fassung zur
Kenntnis genommen wurde.
Literaturnachweis:
Forstgeschichte, Ein Grundriss für
Studium und Praxis, Karl Hassel
Blätter zur Heimatgeschichte von
Trippstadt, Sonderheft Köhlerei, Karl
Munzinger
Die Köhlerei ein Handwerk mit
ehrwürdigem Alter, Eifeljahrbuch 1983,
A. Zebedies, Paul Marx
Die Verkohlung der
Eifelwälder im 17. Jh., Landkreis
Mayen-Koblenz, Jahrbuch 1996, H.D.
Stephani
Kartennachweis:
Kartenaufnahme der Rheinlande durch
Tranchot und v. Müffling 1803-1820
Bildernachweis:
Meiler, mit Genehmigung von Karl
Munzinger; aus Blätter zur
Heimatgeschichte von Trippstadt,
Sonderheft Köhlerei
Foto von Franz Josef Blümling
|
 |
| Die Aufrichtung
eines Meilers und der
Verkohlungsprozess |
| |
| |
 |
| Der imposante
Hochkessel ist mit seiner Höhe
von 421 m einer der höchsten
Berge des mittleren Moselgebietes
und war mit seinen großen
Waldungen ein Hauptbestandteil
des kurfürstlichen Waldes in
Neef |
|
| |
|
KüferFür das Bier
waren die hölzernen gebundenen Gefäße
als Aufbewahrungsgefäß im frühen
Mittelalter bereits dominierend. Mit der
Zeit fanden Holzfässer immer mehr
Verwendung, insbesonders dann, wenn Wein
transportiert wurde. Die Technik der
Holzfässerherstellung verbesserte sich
mit der Zeit, und man begegnet in der
karolingischen Epoche dem in Eisen
gebundenen Fass.
Der Beruf des Fassbauers ist ein
seltenes Handwerk geworden, welches sich
jedoch in den letzten Jahren einer
Renaissance erfreut. Gibt es zurzeit
lediglich eine Handvoll reiner Holzküfer
in Rheinland-Pfalz, so werden es
sicherlich schon bald mehr sein. Diese
Prognose kann man so wagen. Einmal trägt
der groß in Mode gekommene Barrique-Wein
dazu bei, der nur in Holzfässern
gelagert seine besondere Qualität und
Note erhält, zum Anderen hat man aber
auch die Erfahrung gewonnen, dass sich
der Wein im Holzfass viel besser
entwickelt als z. B. in einem
Kunststofffass. Im Holzfass sorgt der
Sauerstoff, der durch die Poren des
Naturstoffes dringen kann, für eine gute
Reifung. Da kommt eine ganz andere
Qualität heraus stellt der
Fachmann fest.
In seiner langen Tradition wird der
Fassbauer je nach Landschaft auch
Fassküfer, Büttner, Schäffler und
Kübler genannt. An der Mosel ist er der
Küfer - entstanden aus dem Lat. Cuparius
(cupa ist das Holzfass).
Ausgangsmaterial für die Herstellung
von Fässern sind dicke Stämme, die mit
dem speziellen Spiegelschnitt
zurechtgesägt werden. Dabei ist wichtig,
dass die Jahresringe als annähernd
parallele Streifen auftauchen der
besondere Zuschnitt sorgt für
Stabilität. Die Hölzer werden je
nach Fassgröße auf eine Länge
von rund einem bis 2,80 Meter und 3,5 bis
8 Zentimeter Dicke zurechtgeschnitten.
Dann müssen die Dauben lange gelagert
und getrocknet werden. Für die
Außenwand des Fasses wird das Holz unter
großem Druck mit Stahlbändern
zusammengepresst; es hält ganz ohne
Klebstoff dicht. Die einzelnen Hölzer
haben in der Mitte eine andere Dicke als
am Rand. Das sorgt für den typischen
Fassbauch.
In seine Form wird das Fass durch
Flammen und Wasser gebracht: Im Inneren
wird ein Feuer entfacht, die Außenseiten
gleichzeitig feucht gehalten. Durch diese
Behandlung kann das Holz schließlich mit
viel handwerklichem Geschick gebogen
werden, ohne dass es bricht.
Anschließend fügt der Fassbauer die
Böden ein und stabilisiert das
entstandene Fass mit Stahlreifen.
Lange hatte sich an der Arbeitsweise
des Fassbauers so gut wie nichts
geändert, wie es die beiden Fotos unter
Beweis stellen.
Bis in die fünfziger Jahre des
vergangenen Jahrhunderts war es so, dass
der Küfer sowohl das Behältnis Fass
gebaut hat und für seine Pflege sowie
auch für die Weinpflege zuständig war.
Dies hat sich aber, nachdem die
Holzfässer nach und nach zuerst durch
Beton-, später durch Stahl- und
Kunststoff-, heute durch
Edelstahlbehälter ersetzt wurden,
grundlegend geändert. So sind aus einem
zwei Gewerke geworden, nämlich dem
Böttcher und dem Weinküfer.
Nach der heutigen
Ausbildungsverordnung ist der Weinküfer
der Lebensmittelhandwerker, der alle
Fertigkeiten besitzt aus ihm anvertrauten
Trauben oder auch anderen Früchten Wein
herzustellen. Er lernt also nicht mehr
Fässer, Bütten oder Stützen und
Bottiche herzustellen.
Die Berufe Böttcher und Brauer
standen bis zur Industrialisierung eng
zusammen und waren sogar in einer Zunft
organisiert. Strenge Vorschriften gab es
zu beachten. Es galt, die Qualität der
Fässer und der späteren Füllung zu
gewährleisten. So war es z. B. durch
eine Rats-Anordnung von 1410 in Neustadt
den Küfern verboten, auf dem Markt
Dauben einzukaufen, bevor dieselben einen
halben Tag feilgehalten waren, damit sie
nicht ihre besondere Sachkunde zum
Nachteil des übrigen Publikums ausnutzen
konnten. An Orten, wo der Verkauf der
Weine einschließlich Fass üblich war,
mussten sie vielfach bei Anfertigung der
Fässer ganz genaue Anweisungen über
Größe, Ausführung usw. einhalten,
andernfalls wurden ihnen die Fässer
verbrannt; aus gleichen Ursachen war
alsdann vorgeschrieben, dass jedes Fass
den Namen des Meisters, der es
hergestellt hatte, tragen musste. Die
badische Landesordnung von Markgraf
Christoph, 1495 besagt: Ferner soll
Niemand einigen Wein mit anderleiigem
untermischen, sondern jegliche Gattung
unvermenget lassen wie er gewachsen. Und
damit diese Ordnung desto beständiger
sei, sollen alle Küfermeister und
Küferknechte den Amtsleuten an
Eidesstatt geloben, sorglich darüber zu
wachen, dass kein Wein welcher zum
Verkaufen oder zum Verzapfen bestimmt
ist, mit fremdartigen und schädlichen
Dingen vermischt und aufgezogen
werde. Auch gegen die falsche
Benennung des Weines im Fass ging das
Gesetz streng vor. Dagegen hatte sich ein
Eberlin Snider aus Bulach im Elsass 1353
verstoßen. Er wurde mit Verbannung
bestraft unter Androhung der Strafe des
Ertränkens bei unerlaubter Rückkehr.
St. Apronianus war der Schutzpatron
der Fassküfer. Als Heide trat dieser im
frühen Christentum in eine christliche
Gemeinschaft ein und wurde getauft.
Als bekennender Christ wurde er
verfolgt und enthauptet. Man gedenkt ihm
am 2. Februar.
Literaturquellen:
Die letzten Küfer haben gut zu tun,
Andrea Löbbecke, Beitrag in der
Rhein-Ztg.vom 10.9.08
Vollständiges Heiligen-Lexikon, Band 1.
Augsburg 1858, S. 292
Geschichte des Weinbaus, Friedrich von
Bassermann-Jordan
Besonders über den neueren Stand gab
Herr Hans-Peter Möll, Stv.
Bundesvorsitzender des Fass- und
Weinküferhandwerks, wertvolle
Informationen
|
 |
Küferwerkstatt
1698
Aus Weigel: Hauptstände 1698 |
| |
 |
Küferwerkstatt
1948
Aus dem Fotoarchiv von K. Bergen,
Neef |
| |
| |
| |
| |
|
| |
|
LohschälerZur
Herstellung von Leder brauchte man in
früherer Zeit Lohe auch Luhe
genannt. Das war die Rinde von jungen
Eichen mit der darin enthaltenen
Gerbsäure. Bevorzugt im Frühjahr, wenn
der Baum im Saft stand, entfernte man die
Rinde vom Stamm der etwa 20 Jahre alten
Eichen mit einem Lohlöffel. Die kahlen
Stangen wurden abgeschlagen und fanden
als Brennholz Verwendung. Am Boden
entstanden wieder neue Austriebe, die
dann später wieder zur Schälung genutzt
wurden.
In einigen Gegenden wurden auch die
abgeholzten Waldstücke
gebrannt, um die kleinen
Äste zu beseitigen, Unkraut zu
vernichten und mineralischen Dünger zu
gewinnen. Im Mai pflanzte man dann
Kartoffel, im 2. Jahr Wintergetreide
(Roggen) und im 3. Jahr Sommergetreide
(Hafer, Gerste, Buchweisen) zwischen die
schon austreibenden Wurzelstücke. Danach
nahm der Aufwuchs der jungen Eichen
wieder Platz ein.
Die Flächen zur Lohernte stellte die
Gemeinde als sogenanntes Rottland zur
Verfügung. Dieses war in einzelne
Rottmarken aufgeteilt und wurde den
Bürgern zugelost.
Hatte man die Lohe nach Hause gekarrt,
trocknete man sie in der Scheune.
Nach der Lagerung wurde sie in Bürden zu
etwa 40 Pfund zusammengebunden.
Dann brachte man die Rindenstücke zur
Lohmühle und verkaufte sie dem
Lohmüller. Dieser häckselte und mahlte
sie, um sie danach in kleinen Blöcken an
Gerbereien weiter zu verkaufen.
Dorthin hatten Metzger und Viehhalter
Felle ihrer geschlachteten Tiere
verkauft. Diese wurden dann, nachdem man
sie zuvor enthaart hatte, zusammen mit
der Loh-Konstanz in eine mit Wasser
gefüllte Grube gelegt. Nach ein paar
Tagen entstand eine gerbsäurehaltige
Brühe. Diese baute die eiweißhaltigen
Stoffe der Haut ab. Die Häute wurden
getrocknet und konnten dann als Leder
verarbeitet werden.
Die übrig gebliebene ausgelaugte Lohe
wurde getrockneten und gepresst. Der so
entstandene Lohkuchen diente zum
Ofenanzünden und auch zur Feuerung.
Zudem fand er Verwendung in der
medizinischen Behandlung von
Hautkrankheiten verwendet.
Nachdem die amerikanischen Tannen
einen noch besseren und billigeren
Gerbstoff lieferten (seit etwa 1875) und
schließlich nach der Entwicklung
synthetischer Gerbsäuren (nach 1900),
flachte die Bedeutung der heimischen
Eichenlohe nach und nach bis hin zur
Bedeutungslosigkeit ab. Die letzte Lohe
wurde in den Moselhängen 1945/1946
geschält - so auch im Neefer Bachtal.
Noch heute wird der Hang zur Gemarkung
"Schopp" zu
"Luh-Heck" genannt.
In Köln gab es anno 1746 die
stattlich Anzahl von 57 Lohhöfen. Heute
erinnern nur noch einige
Lohmühlen als Ausflugslokale
an ihre frühere Blütezeit.
Als den Gerbereien die chemischen
Hilfsmittel als Folge der
Nachkriegswirren fehlte, besann man sich
der alten Traditionen allerdings
nur für eine kurze Zeit. Die Gerbereien
sind auf eine geringe Anzahl von
Großbetrieben mit neuesten
Verfahrenstechniken zusammengeschrumpft.
Und dorthin werden die Felle zumeist von
Schlachthäusern aus dem In- und Ausland
in Containern angeliefert. 1870 bestanden
im Trierer Lande 300 Gerbereien, 1898
waren es 113 und 1903 43 Betriebe. Heute
gibt es nur noch 3 Gerbereien in
Regierungsbezirk Trier im
Reg.-Bez. Koblenz gibt es keine einzige
mehr.
Viele Familiennamen erinnern uns heute
an die Zeit, in der die Lohe, deren
Verarbeitung und Verwendung, eine solch
große Bedeutung hatte. Als man allgemein
die Familiennamen einführte, nannte man
sich vielfach auch nach seiner
Tätigkeit. So gibt es recht häufig die
Familiennamen wie Luhe, Luhmann, Luhberg,
Luhheck, Luerer, Lohe, Lohmann,
Lohmüller, Lohmacher, Löhrer, Gerber
und viele andere mehr.
Die Lohe war ein wichtiger
wirtschaftlicher Faktor in den
Moselgemeinden.
Besonders in armen Zeiten konnte sie
finanzielle Engpässe überwinden helfen.
Literaturquelle:
Görgen, Rolf; Ihre Bremmer Knutze
...
Schommers, Reinhold; St. Aldegund an der
Mosel Steffens, Willi; Vom Lohschälen in
der Eifel
Bildquelle:
Lohschäler: aus dem Archiv von
Reinhold Schommers, St. Aldegund
Lohlöffel: Foto von F.J. Blümling
(Autor)
|
 |
| Lohlöffel |
| |
 |
| Lohschäler bei
der Arbeit |
| |
| |
| |
| |
|
| |
|
Metzgerei SteinebachJakob
Steinebach (geb. 1906 gest. 1993)
begann 1923 mit gerade 17 Jahren seine
Lehre im Fleischerhandwerk bei seinem
Onkel in Koblenz. Nach erfolgreicher
Abschlussprüfung war er dort mehrere
Jahre als Geselle tätig. Mit 38 Jahren
machte er vor der Handwerkskammer Koblenz
seinen Meisterbrief im Fleischerhandwerk.
1933 machte er sich mit seiner Frau
Anita (geb. 1910 gest. 1997) in
Gillenfeld (Eifel) selbständig. Doch
bereits schon ein Jahr später verließen
sie Gillenfeld und bauten sich in
Cochem-Cond eine neue Existenz auf. Als
1936 der Neefer Metzger Wilhelm Schmitz
verstarb, pachtete Jakob Steinebach ein
Jahr später den Neefer Metzgereibetrieb
des Verstorbenen.
Jakob kam nun als Soldat in den Krieg
und wurde 1946 aus der Gefangenschaft
entlassen. Zwischenzeitlich hatte sich
jedoch der Sohn von Wilhelm Schmitz,
Peter Wilhelm, in den elterlichen Räumen
als Metzger niedergelassen. So erwarb
Jakob Steinebach umgehend im Neefer
Unterdorf ein Haus und betrieb dort in
eigenen Räumen eine Metzgerei. Im
gleichen Jahr begann auch Sohn Karl Heinz
(geb. 1930) im elterlichen Betrieb seine
Metzger-Lehre.
Nach seiner Lehrzeit ging Karl Heinz
nach Frankfurt, wo er in mehreren
renommierten Betrieben der
Fleischerbranche tätig war.
Hervorzuheben sind dabei das hoch
angesehene Hotel Frankfurter
Hof, wo er sich als Küchenmetzger
bewährte und das Feinkostfachgeschäft
Hermann Kirchenbauer auf der Frankfurter
Einkaufsmeile ersten Ranges, der Zeil, wo
er für die Herstellung von
Spezialitäten zuständig war. In
Frankfurt besuchte Steinebach jr. die
Meisterschule Hyne und legte dann im
Jahre 1955 die Meisterprüfung ab. Auf
Wunsch seiner Eltern kehrte er 1958
wieder nach Neef zurück und half im
elterlichen Betrieb. 1962 machte Karl
Heinz Steinebach sich schließlich
selbständig. Er übernahm die Metzgerei
Gröff in Zell-Merl. Sechs Jahre später,
1968, übergaben ihm die Eltern das
Geschäft in Neef, das er zusätzlich als
Filiale bestehen ließ.
Die praktischen Erfahrungen, die der
junge Steinebach in Frankfurt gemacht
hat, kamen ihm in seiner Selbständigkeit
sehr zu gute. Besonders seine guten und
schmackhaften Wurstsorten waren sehr
gefragt. Wöchentlich wurden bis zu 30
Schweine und 5 Stück Großvieh
geschlachtet. Karl Heinz kaufte das Vieh
direkt bei den Bauern in der Eifel und im
Hunsrück. Fleischwaren wurden nicht nur
im eigenen Laden verkauft. Es wurden
zudem Lebensmittelgeschäfte, Hotels und
Gastwirtschaften im ganzen Umfeld
beliefert.
Karl Heinz Steinebach kann mit Stolz
auf eine erfolgreiche Berufstätigkeit
zurückblicken. Er hatte sich nach und
nach zielstrebig hochgearbeitet. Die
Handwerkskammer Koblenz ehrte ihn im Jahr
2005 mit dem Goldenen
Meisterbrief.
Karl Heinz Steinebach gab seine
Metzgerei in Zell-Merl aus
gesundheitlichen Gründen im Jahre 1988
auf. Gleichzeitig wurde auch der
Filialbetrieb in Neef eingestellt.
Zusammengestellt nach Angaben von
Karl-Heinz Steinebach, Zell
|
 |
| "Schmitze
Willi" (links auf dem Bild)
mit einem schlachtreifen Ochsen
vor seinem Schlachthaus Foto aus
dem Archiv von Kurt Bergen, Neef |
| |
| |
 |
| Karl Heinz
Steinebach wird mit dem
Goldenen Meisterbrief
geehrt Foto von K.H. Steinebach |
|
| |
|
Polsterer- und
Sattler-Meister Clemens RohrbachIn
der früheren Zeit gab es sie nicht, die
so genannte Weg-Werf-Gesellschaft
noch nicht den Begriff ex und
hopp (kaufen benutzen
wegwerfen). War in damaliger Zeit ein
wichtiger Gegendstand des Alltages kaputt
oder beschädigt, dann wurde er durch
geschickte Handwerkerhände repariert.
Neue Sachen wurden handwerklich
hergestellt. Und das dauerte seine Zeit.
Heute lohnt sich eine solche
zeitaufwendige manuelle Anfertigung nicht
mehr. Es gibt die Fabriken, die über
Fließband Gegenstände in zigfacher
Anzahl stündlich förmlich ausspucken
sogar versandfähig verpackt. Kein
Handwerker kann dann mit einem solchen
Herstellungspreis konkurrieren. Es ist
auch billiger, einen defekten Gegenstand
einfach weg zu werfen, als ihn reparieren
zu lassen. Die Reparaturkosten wären
wesentlich höher, als der Preis für
eine Neuanschaffung.
Aber auch die Gebrauchsgegenstände
des täglichen Lebens als solche haben
sich geändert. So wird z. B. das Joch
für ein Kuh- oder für ein Ochsengespann
zumindest in unserer Region nicht mehr
benötigt. Früher zogen Kuh und Ochse
den Wagen auf das Feld oder in den
Weinberg - heute transportieren die
Traktore.
Das Handwerk des Polsterers und
Sattlers hatte nach dem Zweiten Weltkrieg
eine besonders große Wichtigkeit. Viele
erforderliche Materialien gab es während
der Kriegsjahre nicht mehr. Es konnte
also kaum noch hergestellt, erneuert oder
repariert werden. Und ansonsten waren ja
auch die Männer zumeist im Kriegseinsatz
und danach in der Gefangenschaft. Es gab
also einen großen Nachholbedarf. Das
Sattler- und Polsterhandwerk hatte
besonders in jener Zeit eine weittragende
Bedeutung und hatte besonders im
wirtschaftlichen und sozialpolitischem
Bereicht ein hohes Gewicht - so stellte
der Präsident des
Zentralinnungsverbandes des Deutschen
Sattler- und Polstererinnungsverbandes
Julius Debus anlässlich der 50jährigen
Jubiläumsfeier auf dem Landesverbandstag
in Neustadt a. d. Weinstraße im August
1960 fest.
In Neef gab es den Polsterer- und
Sattlermeister Clemens Rohrbach (1904
1967). Er kam aus dem Nachbarort
Senheim. 1936 heiratete er das Neefer
Mädchen Paula Budinger. Seine Lehre
vollzog er in Merzig (Saarland) bei der
Firma Bettenfeld. Die Meisterprüfung
legte er 1939 vor der Handwerkskammer
Koblenz ab und machte sich dann in Neef
selbständig. Aber schon bald wurde er an
die Front eingezogen. Als er Ende 1946
aus der polnischen Gefangenschaft nach
Hause kam, gab es für ihn viel zu tun.
In der Werkstatt in seinem Haus im
Neugarten erledigte Clemens
gewissenhaft seine Arbeiten. Aus dem
ganzen Dorf und aus den Nachbargemeinden
erhielt er Aufträge. Seine Reparaturen
waren gekonnt. Ob lädierte Sessel,
kaputte Sofas, defektes Sattelzeug,
zerrissene Gurte, oder beschädigte Joche
- Clemens brachte alles wieder in
Ordnung. Sein handwerkliches Können
bestand auch in der Herstellung der
damals üblichen dreiteiligen Matratzen
aus Rosshaar, Kapok und später aus
Federkern.
Die freundliche und bescheidene Art
von Clemens Rohrbach passte zu seiner
gemütlichen Werkstatt. Es roch nach
Leder und Klebemitteln, nach Rosshaar und
Stoffen. Auf dem Kohleofen brodelte der
Wasserkessel. In der Dämmerung war die
verstellbare Deckenlampe auf Augenhöhe
heruntergezogen. Clemens klebte,
fädelte, nähte, hämmerte, nietete und
trug dabei stets seine selbstgenähte
Leinenschürze.
Überliefert von Helga Mentges,
geborene Rohrbach, Bullay
Und eigene Erinnerungen des Chronisten
|
 |
| Clemens Rohrbach |
| |
 |
| Briefkopf des
Handwerkers Clemens Rohrbach |
|
| |
|
SchröterStand
bei einem Winzer der Verkauf eines Fuder
Weines an, dann wurde das volle Fass aus
dem Keller auf ein draußen stehendes
Fuhrwerk transportiert. Es gab noch keine
Weinpumpe, mit der man ein Fass im Keller
leer- und ein solches draußen hätte
voll pumpen können.
Um nun ein Fuderfass aus dem Keller zu
schaffen, wurden sechs bis acht Männer
benötigt, die Schröter genannt wurden.
Diese schlossen sich in einer sogenannten
Schröterzunft zusammen. In jedem Dorf
waren es immer dieselben Männer, welche
die Knochenarbeit besorgten und dafür
ein kleines Entgelt bekamen. Ebenso gab
es nach vollbrachter Arbeit einige Liter
Schröterwein, der meistens
an Ort und Stelle getrunken wurde.
Die erste Arbeit der Schröter war,
das Fass von den Lagern in den
Kellereingang zu hieven. Da es in den
meisten Kellern sehr eng war, bedeutete
auch dieses eine mühselige Arbeit. Zuvor
waren zu den Eisenreifen des Fasses noch
Reifen aus Birkenholz aufgezogen worden,
damit das Fass für den Transport besser
geschützt war. Nun wurden die Holme der
Schratleiter eingefettet, die dann auf
die Kellertreppe gelegt und mit
Eisenstäben befestigt wurde.
Nach lautem Kommandoruf wurde nun das
Fass mit Hilfe von Drahtseilen, die um
das Fass gelegt waren und einer
primitiven Winde, sowie durch die
Kraftanstrengung der Männer über die
schmierige und glitschige Leiter die
Kellertreppe hinaufgezogen. Höchste
Vorsicht war geboten, da auch die Treppen
meist steil und schmal waren. Wäre das
Fass abgerutscht, hätten die Männer,
die dahinter standen, erdrückt werden
können. So legten die Männer ab und zu
eine Pause ein und sicherten das Fass
durch das Unterlegen eines Holzscheites
vor dem Hinabrollen ab.
Nachdem die Schröter das Fass aus dem
Keller transportiert hatten, war die
schwerste Arbeit getan. Die
anschließende Beförderung des Fasses
auf einen bereitstehenden Wagen war die
leichtere Arbeit, weil draußen mehr
Platz war und die Schratleiter nun
weniger Steigung hatte.
|
|
| |
|
VogtWährend des
gesamten Mittelalters gehörte aller
landwirtschaftlicher Besitz dem Adel,
Kirchen und Klöstern. Die Neefer Bauern
waren Leibeigene. Die Grundherren konnten
also über Leib und Leben ihrer
Untertanen verfügen. Diese hatten das
Land als Lehen also geliehen. Als
Pachtzins hatten die Lehensleute den
Lehensherren die Hälfte der Ernte
abzugeben, die im Hofgebäude lagerten.
Die Verwaltung der Lehensgüter oblag
dem Vogt, der seinerseits einen
untergeordneten Hofmann einsetzte.
Mindestens einmal im Jahr, zumeist vor
der anstehenden Weinernte, schickte der
Lehensherr einen Bevollmächtigten nach
Neef, um das sogenannte Hofgeding
abzuhalten. Vor dem Platz des Hofes
wurden dann in einem Weisthum den
Bürgern die vom Lehensherren
festgelegten Bestimmungen verlesen. Diese
nannte man Levatio. Den Bürgern wurden
also die Leviten gelesen.
Auszug aus dem Weisthum des
Propsteihofes St. Florin zu Neef aus dem
Jahr 1585:
- Ein jeder Lehensmann hat zum
Hofgeding zu erscheinen. Es ist unnötig,
den Lehensmann dazu aufzurufen, da jeder
weiß, wann es stattfindet. Der
Lehensmann erhält einen halben Sester (
7 ½ ) Liter Wein.
- Der Lehensherr, der Propst gar
selbst, mag kommen mit 3 ½ Pferden und
beim Lehensmann, wo ihm gelüstet,
einkehren und dort Futter für die Pferde
erhalten. Die Kost gibt sich der
Lehensherr selbst. Ist dem Lehensherrn
die Schlafstätte zu eng, hat der
Lehensmann sein Bett abzubrechen und dem
Lehensherren Platz zu schaffen.
- Für Weggehen ohne Erlaubnis und
alle sonstige Ungebühr, wie schmähen,
fluchen, lästern und alles dergleichen
soll der Verbrecher leiden.
- Ein Weinbote gibt die Erlaubnis zur
Lese.
- Bei der Vorlese soll der Lehensmann
für einen Schilling Weck und einen Käs,
der eine Spanne weit ist und Wein
bringen, so dass der Vogt mit dem Hofmann
und dem Lehensmann zusammen genießen
können.
- Ist der Weinberg zum Teil gemistet,
hat der Lehensmann den ungemisteten Teil
am Hofe abzugeben. Es darf nur alle 6
Jahre gemistet werden.
- Rinnt die Bütte, in der sich die
gelesenen Trauben befinden, macht sich
der Lehensmann strafbar.
Zum Schluss sprach der Vogt die
Strafen für die Verbrecher aus und
vollzog sie oft gleich an Ort und Stelle.
Vor dem Hofgebäude stand der Pranger,
den man auch Schandpfahl nannte. An
diesen wurde der Verbrecher angekettet
und der öffentlichen Beschimpfung
preisgegeben. Hatte der Bestrafte jedoch
z. B. die Obrigkeit beleidigt, konnte es
passieren, dass Bürger den Delinquenten
mit Wein oder sonstigen Wohltaten
verwöhnten.
Der Vogt war also ein Beamter einer
geistlichen Herrschaft. Er konnte im
Rahmen eines Niederen Gerichtes Urteile
aussprechen und strafen lassen. Junker
Dietrich von Kellenbach erscheint 1529
als erster Klostervogt in Neef, als ein
Teil der Güter der Abtei St.
Willibrordus, Echternach, durch
Verpfändung an das Stift St. Florin in
Koblenz kam. S. hierzu auch unter 22. d.
- Der Echternacher Hof in
Neef und unter 31. a. und 31. b. in
der Chronik.
|
|
| |
|
|
|
| |
|
|
|
| |
|
|
|
| |
|
| |
|
| Literaturnachweise: |
| |
|
| Bildnachweise: |
| |
|
|
|